Gerhard Fischer
MAULBERTSCH
FISCHER
Im Blick zurück ist an eine Hommage an Maulbertsch zu erinnern, die im Theologiesaal der alten Universität (heute Akademie der Wissenschaften) im Sommer 1996 stattfand. Unter dem Deckengemälde von Franz Anton Maulbertsch, die Taufe Christi (1766/67) darstellend, überzog den Saalboden – gleich einer Farbenhaut – das von Nikolaus Lang eingerichtete Farbpigmentfeld (650 x 238 cm). Die Pigmente, Eisen-Manganoxid, Malachit und Azurit, auf Papieren aufgeschichtet, zeigten dieselbe Farbskala, aus der das Deckengemälde Taufe Christi gestaltet wurde.
Maulbertsch: Musik der Farben, Rotation der Raumphysik, alles erscheint von der Schwerkraft erlöst. Was aus all dem entsteht, ist wie der Traum vom Fliegen in einem farbsinnlichen, heiteren Klima, das auch sehr stoffliche, fast körperliche Seiten hat: Viele Hände greifen ineinander. Von diesen ist die Rede in Arbeitsjournalen des Malers. Drei Viertel der Komposition sind allein der Darstellung des Äthers vorbehalten, Engel – Maulbersch’ bevorzugte Wesen – durchziehen den Himmelsraum. Bei Maulbertsch ist Malen wie ein Tauchen, eine unumgängliche Wanderung nach unten in eine weiße Stille. Auch das Fresko Taufe Christi ist haufenweise weiß.
Korrespondierend mit der Farbpigment-Installation gelangten das Selbstbildnis des Malers (um 1767) und ausgewählte Briefe und Kontrakte von Maulbertsch zur Ansicht. Die Rede ist von der Arbeit mit den Maurern, von Kalk, Sand und Werkzeugen der Freskenmalerei.
Das Lehrbuch Der Mahler und Baumeister Perspectiv, verfaßt 1719 von Andrea Pozzo, der von 1703 bis 1709 in Wien gelebt und als Freskant gearbeitet hat, war vor dem Maulbertsch Selbstbildnis situiert. In Pozzos grundlegendem Werk für die perspektivische Freskomalerei des 18. Jahrhunderts fällt eine Stichillustration auf, die den Maler mit Farbgefäßen und einen Maurer beim Auftragen des Freskofeinputzes zeigt. Um das Gerüst sind die kolossalen Maurergerätschaften versammelt: Maurerhammer, Spitzkelle, Mörtelpfanne und Wasserbottich. Für die Portionierung und Verteilung des Mörtels dienen ein kleines Stielbrett und ein Reibbrett – die abendländische Baugeschichte bezieht ihre Energie aus der Hitze der Sommer, aus Kalk und Sand und der Kelle des Maurers.
Die Maulbertsch-Schau begann ihre elliptische Bahn in der Akademie der Wissenschaften bei der alten Universität. Da wartete im Herzen Wiens ein bislang unbetretener Freskensaal mit der Taufe Christi auf seine Entdeckung durch das Publikum. Eine Landpartie in die Donaumonarchie zu den Fresken von Maulbertsch in Ungarn, Tschechien, in die Slowakei und nach Österreich ergänzte die Ausstellung. Bustouren zu Schlössern, Kirchen und Bibliotheken, von Kunsthistorikern begleitet, ließen das Publikum die verschwenderische Pracht der Fresken erkennen.
Von dem Maulbertsch-Projekt existieren zahlreiche Videos, die in dem 14-stündigen Videoessay Schwan mit Sternenstaub (Kamera und Regie: Gerhard Fischer) installiert sind. Die Arbeit an diesem Video-Essay dauerte 10 Jahre lang, Ende Dezember 2022 war der Feinschnitt für 36 Kapitel fertiggestellt worden. Eine in Arbeit stehende Webseite Schwan mit Sternenstaub wird die Entwicklung des Filmprojekts nachzeichnen. Eine Kinopräsentation des Schwan wird im Frühling 2023 erfolgen.
Der bibliophile Katalog zur Maulbertsch-Ausstellung ist vergriffen, findet sich aber in jeder großen Bibliothek in Wien, siehe die Publikation Maurer, Kalk und Sand oder der Maler Franz Anton Maulbertsch. Materialien zu Leben und Werk 1724–1796. Hrsg. Nora und Gerhard Fischer. Wien 1996.
Die Leidenschaft Fischers für Sakralkunstwerke hielt weiter an, im November 2022 inszenierte
er im linken Seitenschiff der Michaelerkirche eine Schau mit dem Maulbertsch-Gemälde
Anbetung der Hirten (1750). Im Kreuzgang des Parterre-Ostflügels der Kirche, in der
Werkstatt der Rahmenhandlung Bühlmayer, zeigte Gerhard Fischer zeitgleich ausgewählte
Arbeiten auf Baumwolle und Karton, großformatige Kohlezeichnungen, Fotografien und
Fotomontagen.
Motiv: Die Badenden (Joy of Life).
Degas, Cezanne, Ingres, Bonnard und Picasso haben badende Mädchen und Frauen gemalt, Fischer malt badende Jünglinge. Er läßt Die Badenden in schwelgerischer Farbdimension sichtbar werden, was die ausschweifende Bildproduktion mit 500 Werken auch zeigt, ist die Suche nach Nuancen des Himmels und des Meeres.
Die auf dieser Webseite abgebildeten Gemälde, Zeichnungen, Fotos und Fotomontagen wurden mit Werken aus dem Atelier ergänzt.
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Unter Sonnenblumen unterwegs zur Piaristenkirche in Mikulov (Nikolsburg). Das Dekengemälde
der Hauptkuppel zeigt
Triumph der Hl. Dreifaltigkeit, 1795 von Maulbertsch gemalt.
Format: HDV, 1996
Kamera: Gerhard Fischer
Schwan mit Sternenstaub, Kapitel 19 Maulbertsch.
Format: Video Hi8, 2021
Kamera, Regie: Gerhard Fischer
Schnitt: Озябшая Душа
Gemälde, Zeichnungen, Fotos, Fotomontagen
Dokumentationsfotografie der Werke: Rudolf Strobl, Felix Frühauf, Yazan Majani
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Ausstellung |
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Werke Maulbertsch |
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Das Bildmotiv Anbetung des Kindes durch die Hirten nimmt seinen
Anfang im Italien des
14. Jahrhunderts. Manchmal schwankte die Anzahl zwischen zwei oder mehr
Personen. Sie eilen vom Feld
herbei, knien vor dem Jesuskind und reichen ihm Gaben dar. Legenden zufolge
brachten die Schafhirten
dem Kind Eier, Milch und ein Lamm, dessen Beine gefesselt sind. |
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In der Stadtpfarrkirche in Sümeg (Westungarn) entfaltet Maulbertsch einen
Farbfächer des Leuchtens
und Abschattierens, der schwebenden Farbnebel und zarten Pastelltöne, der in
der österreichischen
Malerei bisher unerhört war und wie ein Ausfluß subjektiven Glaubenserlebens
anmutet. |
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Werke Fischer |
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Wien im Jahr 1910 war ein prächtiger Schmelztiegel. In nur 60 Jahren war die Einwohnerzahl von 500.000 auf zwei Millionen gestiegen. Kunst, Technik und Politik pulsierten. Der Reichtum war atemberaubend. Die privilegierte Klasse des Bürgertums war geschaffen für ein Leben in Luxus, Raffinesse und Dekadenz. »Oh, wie herrlich lebten sie!«, schrieb Josef Roth in Das Spinnennetz.
Das Proletariat lebte in seiner eigenen Kultur, für die nicht der Überfluß, sondern der Mangel kennzeichnend war. Zwei Kulturen, jeweils auf einer Erdhälfte stehend, Bürger und Proletarier, Gegensätze der Jahrhundertwende. Die Plebejer: gebrochen, verraten, verludert, eine Welt, in der Trunksucht, Hunger und Bluthusten grassierten.
Attraktive Jünglinge aus der Oberschicht, die sich an der Grenze zwischen Kindheit und Erwachsensein befanden, wurden zum begehrten Objekt der Studiofotografie des Fin de Siècle.
Das jahrelange Durchblättern von Fotografien am Wiener Flohmarkt mündete in einer umfangreichen Sammlung von Fotografien im Visit- und Kabinettformat, aufgenommen in Wiener Ateliers 1875–1910, die die Vielfalt des gestischen und mimischen Ausdrucks der heranwachsenden Söhne des Bürgertums dokumentieren. Das Fotokonvolut wurde 1996 von Gerhard Fischer angelegt.
Lichtgeflüster in Fotopapieren der Jahrhundertwende, der langsame Pulsschlag Sepia bis Weiß, Blau bis Rosa.
Das Momentane in der Haltung des Portraitierten, der schwerelose Blick und die still anwesenden Gegenstände der Zeit fallen ins Auge.
Die Rahmung der Fotografien im Visit- und Kabinettformat wurde aus Hölzern der Städte Venedig, Florenz, Rom und Neapel handgefertigt. Rahmung: Michael Haider (C. Bühlmayer).
Formgebung der Ausstellung Maulbertsch – Fischer: Thomas Kierlinger
Ort: Werkstatt k. u. k. Hof Vergolder C. Bühlmayer. Kreuzgang des Parterre-Ostflügels der Kirche Sankt Michael.
Kurator: Choon Huat Koay
Fotodokumentation: Manuel Carreon Lopez

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Kamera: Kevin Ferdinandus, Videodauer 46:18
Reden zur Vernissage am 17.11.2022
Es sprechen
Pater Erhard
Univ. Prof. Dr. August Ruhs
Priv. Dozent Dr. Walter Seitter
Konstantin Bühlmayer
Gerhard Fischer
Ort: Sommer-Refektorium der Ordensgemeinschaft der Barnabiten (heute Orden der Salvatorianer).
Im Sommer-Refektorium mit einer Fläche von 140 m2 sind die Raumwände mit religiösen Historienbildern auf Leinwand nach dem Vorbild der venezianischen Malerei des 15. Jahrhunderts bedeckt. Die gut 3 m hohen Bilder erstrecken sich aneinandergereiht über eine Länge von ungefähr 30 m.
Die Nähe der Michaeler Pfarrkirche zur Hofburg und ihren Bruderschaften erklärt diese für Wien einmalige Bildgestaltung durch den Hofmaler Peter Strudel, der selbst Mitglied der Spanischen Corpus-Christi-Bruderschaft war. Das Refektorium als Ort des gemeinsamen Mahles wird durch das größte im Raum befindliche Gemälde Wunderbare Brotvermehrung ausgezeichnet: Im Zentrum lagert Christus vor felsiger Bergkulisse, umgeben von Aposteln, und lässt Brot und Fische austeilen.
Das Kirchenpatrozinium St. Michael verlangt geradezu nach einer Darstellung des heiligen Michael. Diese findet sich im Bild des Erzengels, der – geflügelt und mit Brustpanzer versehen – sein Flammenschwert gegen die gefallenen Engel schwingt. Auch bei der Gestaltung der Decke weisen spielende Putten mit Texten aus der Heiligen Schrift auf die Funktion des Refektoriums hin: Arbeit und Essen. Ebenso wird der Barnabitenorden angesprochen, indem das Mittelfresko den hl. Paulus als seinen Patron in einer Gloriole zeigt.
Gerda Kraker, Alfred Kraker