Gerhard Fischer

MAULBERTSCH
FISCHER

Im Blick zurück ist an eine Hommage an Maulbertsch zu erinnern, die im Theologiesaal der alten Universität (heute Akademie der Wissenschaften) im Sommer 1996 stattfand. Unter dem Deckengemälde von Franz Anton Maulbertsch, die Taufe Christi (1766/67) darstellend, überzog den Saalboden – gleich einer Farbenhaut – das von Nikolaus Lang eingerichtete Farbpigmentfeld (650 x 238 cm). Die Pigmente, Eisen-Manganoxid, Malachit und Azurit, auf Papieren aufgeschichtet, zeigten dieselbe Farbskala, aus der das Deckengemälde Taufe Christi gestaltet wurde.

Maulbertsch: Musik der Farben, Rotation der Raumphysik, alles erscheint von der Schwerkraft erlöst. Was aus all dem entsteht, ist wie der Traum vom Fliegen in einem farbsinnlichen, heiteren Klima, das auch sehr stoffliche, fast körperliche Seiten hat: Viele Hände greifen ineinander. Von diesen ist die Rede in Arbeitsjournalen des Malers. Drei Viertel der Komposition sind allein der Darstellung des Äthers vorbehalten, Engel – Maulbersch’ bevorzugte Wesen – durchziehen den Himmelsraum. Bei Maulbertsch ist Malen wie ein Tauchen, eine unumgängliche Wanderung nach unten in eine weiße Stille. Auch das Fresko Taufe Christi ist haufenweise weiß.

Korrespondierend mit der Farbpigment-Installation gelangten das Selbstbildnis des Malers (um 1767) und ausgewählte Briefe und Kontrakte von Maulbertsch zur Ansicht. Die Rede ist von der Arbeit mit den Maurern, von Kalk, Sand und Werkzeugen der Freskenmalerei.

Das Lehrbuch Der Mahler und Baumeister Perspectiv, verfaßt 1719 von Andrea Pozzo, der von 1703 bis 1709 in Wien gelebt und als Freskant gearbeitet hat, war vor dem Maulbertsch Selbstbildnis situiert. In Pozzos grundlegendem Werk für die perspektivische Freskomalerei des 18. Jahrhunderts fällt eine Stichillustration auf, die den Maler mit Farbgefäßen und einen Maurer beim Auftragen des Freskofeinputzes zeigt. Um das Gerüst sind die kolossalen Maurergerätschaften versammelt: Maurerhammer, Spitzkelle, Mörtelpfanne und Wasserbottich. Für die Portionierung und Verteilung des Mörtels dienen ein kleines Stielbrett und ein Reibbrett – die abendländische Baugeschichte bezieht ihre Energie aus der Hitze der Sommer, aus Kalk und Sand und der Kelle des Maurers.

Die Maulbertsch-Schau begann ihre elliptische Bahn in der Akademie der Wissenschaften bei der alten Universität. Da wartete im Herzen Wiens ein bislang unbetretener Freskensaal mit der Taufe Christi auf seine Entdeckung durch das Publikum. Eine Landpartie in die Donaumonarchie zu den Fresken von Maulbertsch in Ungarn, Tschechien, in die Slowakei und nach Österreich ergänzte die Ausstellung. Bustouren zu Schlössern, Kirchen und Bibliotheken, von Kunsthistorikern begleitet, ließen das Publikum die verschwenderische Pracht der Fresken erkennen.

Von dem Maulbertsch-Projekt existieren zahlreiche Videos, die in dem 14-stündigen Videoessay Schwan mit Sternenstaub (Kamera und Regie: Gerhard Fischer) installiert sind. Die Arbeit an diesem Video-Essay dauerte 10 Jahre lang, Ende Dezember 2022 war der Feinschnitt für 36 Kapitel fertiggestellt worden. Eine in Arbeit stehende Webseite Schwan mit Sternenstaub wird die Entwicklung des Filmprojekts nachzeichnen. Eine Kinopräsentation des Schwan wird im Frühling 2023 erfolgen.

Der bibliophile Katalog zur Maulbertsch-Ausstellung ist vergriffen, findet sich aber in jeder großen Bibliothek in Wien, siehe die Publikation Maurer, Kalk und Sand oder der Maler Franz Anton Maulbertsch. Materialien zu Leben und Werk 1724–1796. Hrsg. Nora und Gerhard Fischer. Wien 1996.

Die Leidenschaft Fischers für Sakralkunstwerke hielt weiter an, im November 2022 inszenierte er im linken Seitenschiff der Michaelerkirche eine Schau mit dem Maulbertsch-Gemälde Anbetung der Hirten (1750). Im Kreuzgang des Parterre-Ostflügels der Kirche, in der Werkstatt der Rahmenhandlung Bühlmayer, zeigte Gerhard Fischer zeitgleich ausgewählte Arbeiten auf Baumwolle und Karton, großformatige Kohlezeichnungen, Fotografien und Fotomontagen.

Motiv: Die Badenden (Joy of Life).

Degas, Cezanne, Ingres, Bonnard und Picasso haben badende Mädchen und Frauen gemalt, Fischer malt badende Jünglinge. Er läßt Die Badenden in schwelgerischer Farbdimension sichtbar werden, was die ausschweifende Bildproduktion mit 500 Werken auch zeigt, ist die Suche nach Nuancen des Himmels und des Meeres.

Die auf dieser Webseite abgebildeten Gemälde, Zeichnungen, Fotos und Fotomontagen wurden mit Werken aus dem Atelier ergänzt.

Unter Sonnenblumen unterwegs zur Piaristenkirche in Mikulov (Nikolsburg). Das Dekengemälde der Hauptkuppel zeigt Triumph der Hl. Dreifaltigkeit, 1795 von Maulbertsch gemalt.
Format: HDV, 1996
Kamera: Gerhard Fischer

Schwan mit Sternenstaub, Kapitel 19 Maulbertsch.
Format: Video Hi8, 2021
Kamera, Regie: Gerhard Fischer
Schnitt: Озябшая Душа

Gemälde, Zeichnungen, Fotos, Fotomontagen

Dokumentationsfotografie der Werke: Rudolf Strobl, Felix Frühauf, Yazan Majani

Ausstellung
17. bis 20. November 2022

Die Ausstellung mit Werken von Gerhard Fischer fand im Kreuzgang des Parterre-Ostflügels der Kirche Sankt Michael statt, wo sich die Werkstätte der Rahmenhandlung C. Bühlmayer befindet.

Der Duft der Hölzer, die vergoldeten grazilen Luster, die Kontraste von Farben und Formen grosser und kleiner Rahmen erinnern an venezianisches Handwerk. Und da steht der milchweisse Spiegel umgeben von einer unendlich weissen Stille, vergleichbar etwa mit den weiten Schneefeldern an den Polen.
Werkstatt k. u. k. Hof Vergolder C. Bühlmayer
Foto: © Victor Liska

Werke Maulbertsch

Das Bildmotiv Anbetung des Kindes durch die Hirten nimmt seinen Anfang im Italien des 14. Jahrhunderts. Manchmal schwankte die Anzahl zwischen zwei oder mehr Personen. Sie eilen vom Feld herbei, knien vor dem Jesuskind und reichen ihm Gaben dar. Legenden zufolge brachten die Schafhirten dem Kind Eier, Milch und ein Lamm, dessen Beine gefesselt sind.

Auf dem Maulbertschbild begegnet uns Maria auf dem Strohlager mit dem in grobes Linnen eingewickelten Jesusknaben im Schoß. Josef, der Schreiner, der Esel und der Ochs und Maria mit dem Neugeborenen wirken in ihrer augenscheinlichen Reglosigkeit inmitten der gabenspendenden Hirten wie plötzlich angehalten.

In der Stadtpfarrkirche in Sümeg (Westungarn) entfaltet Maulbertsch einen Farbfächer des Leuchtens und Abschattierens, der schwebenden Farbnebel und zarten Pastelltöne, der in der österreichischen Malerei bisher unerhört war und wie ein Ausfluß subjektiven Glaubenserlebens anmutet.
Günter Metken

Werke Fischer

Wien im Jahr 1910 war ein prächtiger Schmelztiegel. In nur 60 Jahren war die Einwohnerzahl von 500.000 auf zwei Millionen gestiegen. Kunst, Technik und Politik pulsierten. Der Reichtum war atemberaubend. Die privilegierte Klasse des Bürgertums war geschaffen für ein Leben in Luxus, Raffinesse und Dekadenz. »Oh, wie herrlich lebten sie!«, schrieb Josef Roth in Das Spinnennetz.

Das Proletariat lebte in seiner eigenen Kultur, für die nicht der Überfluß, sondern der Mangel kennzeichnend war. Zwei Kulturen, jeweils auf einer Erdhälfte stehend, Bürger und Proletarier, Gegensätze der Jahrhundertwende. Die Plebejer: gebrochen, verraten, verludert, eine Welt, in der Trunksucht, Hunger und Bluthusten grassierten.

Attraktive Jünglinge aus der Oberschicht, die sich an der Grenze zwischen Kindheit und Erwachsensein befanden, wurden zum begehrten Objekt der Studiofotografie des Fin de Siècle.

Das jahrelange Durchblättern von Fotografien am Wiener Flohmarkt mündete in einer umfangreichen Sammlung von Fotografien im Visit- und Kabinettformat, aufgenommen in Wiener Ateliers 1875–1910, die die Vielfalt des gestischen und mimischen Ausdrucks der heranwachsenden Söhne des Bürgertums dokumentieren. Das Fotokonvolut wurde 1996 von Gerhard Fischer angelegt.

Lichtgeflüster in Fotopapieren der Jahrhundertwende, der langsame Pulsschlag Sepia bis Weiß, Blau bis Rosa.

Das Momentane in der Haltung des Portraitierten, der schwerelose Blick und die still anwesenden Gegenstände der Zeit fallen ins Auge.

Die Rahmung der Fotografien im Visit- und Kabinettformat wurde aus Hölzern der Städte Venedig, Florenz, Rom und Neapel handgefertigt. Rahmung: Michael Haider (C. Bühlmayer).

Formgebung der Ausstellung Maulbertsch – Fischer: Thomas Kierlinger

Ort: Werkstatt k. u. k. Hof Vergolder C. Bühlmayer. Kreuzgang des Parterre-Ostflügels der Kirche Sankt Michael.

Kurator: Choon Huat Koay

Fotodokumentation: Manuel Carreon Lopez


Kamera: Kevin Ferdinandus, Videodauer 46:18

Reden zur Vernissage am 17.11.2022

Es sprechen

Pater Erhard

Univ. Prof. Dr. August Ruhs

Priv. Dozent Dr. Walter Seitter

Konstantin Bühlmayer

Gerhard Fischer

Ort: Sommer-Refektorium der Ordensgemeinschaft der Barnabiten (heute Orden der Salvatorianer).

Im Sommer-Refektorium mit einer Fläche von 140 m2 sind die Raumwände mit religiösen Historienbildern auf Leinwand nach dem Vorbild der venezianischen Malerei des 15. Jahrhunderts bedeckt. Die gut 3 m hohen Bilder erstrecken sich aneinandergereiht über eine Länge von ungefähr 30 m.

Die Nähe der Michaeler Pfarrkirche zur Hofburg und ihren Bruderschaften erklärt diese für Wien einmalige Bildgestaltung durch den Hofmaler Peter Strudel, der selbst Mitglied der Spanischen Corpus-Christi-Bruderschaft war. Das Refektorium als Ort des gemeinsamen Mahles wird durch das größte im Raum befindliche Gemälde Wunderbare Brotvermehrung ausgezeichnet: Im Zentrum lagert Christus vor felsiger Bergkulisse, umgeben von Aposteln, und lässt Brot und Fische austeilen.

Das Kirchenpatrozinium St. Michael verlangt geradezu nach einer Darstellung des heiligen Michael. Diese findet sich im Bild des Erzengels, der – geflügelt und mit Brustpanzer versehen – sein Flammenschwert gegen die gefallenen Engel schwingt. Auch bei der Gestaltung der Decke weisen spielende Putten mit Texten aus der Heiligen Schrift auf die Funktion des Refektoriums hin: Arbeit und Essen. Ebenso wird der Barnabitenorden angesprochen, indem das Mittelfresko den hl. Paulus als seinen Patron in einer Gloriole zeigt.

Gerda Kraker, Alfred Kraker

Gerhard Fischer

MAULBERTSCH
FISCHER

Looking back, one is reminded of a homage to Maulbertsch that was held in the Theological Hall of the old University (today the Academy of Sciences) in the summer of 1996. Beneath the ceiling fresco by Franz Anton Maulbertsch, depicting the Baptism of Christ (1766/67), the floor of the hall was covered—like a layer of color—by a pigment field (650 x 238 cm) arranged by Nikolaus Lang. The pigments—iron-manganese oxide, malachite, and azurite—were piled on sheets of paper and matched the color scale used in the Baptism of Christ fresco.

Maulbertsch: the music of colors, the rotation of spatial physics, everything appears freed from gravity. Out of all of this arises something akin to the dream of flying in a richly sensory, cheerful atmosphere that also has highly tactile, almost physical qualities: many hands interlock with one another. These are mentioned in the painter's work journals. Three-quarters of the composition is devoted solely to depicting the ether, and angels—Maulbertsch’s favored beings—populate the sky. For Maulbertsch, painting is like diving, an unavoidable journey downward into a white silence. The Baptism of Christ fresco too is heaped with white.

Complementing the pigment installation, the artist's Self-Portrait (ca. 1767) and selected letters and contracts by Maulbertsch were shown. They speak of working with masons, of lime, sand, and the tools of fresco painting.

The textbook Der Mahler und Baumeister Perspectiv (The Painter and Builder’s Perspective), written in 1719 by Andrea Pozzo—who lived and worked in Vienna as a fresco painter from 1703 to 1709—was displayed near the Maulbertsch self-portrait. In Pozzo’s fundamental work on 18th-century perspective-based fresco painting, one engraving stands out: it shows a painter with containers of color and a mason applying a thin finishing coat of plaster. Around the scaffolding, we see enormous masonry tools: a mason’s hammer, pointed trowel, mortar pan, and water tub. A small board and a float are used for portioning and distributing the mortar—a reflection of how Western architecture draws its energy from the heat of summers, from lime, sand, and the mason’s trowel.

The Maulbertsch exhibition started its elliptical course at the Academy of Sciences in the old University. There, in the heart of Vienna, awaited an as-yet-unentered fresco hall featuring the Baptism of Christ that was newly discovered by the public. An excursion into the lands of the former Danube Monarchy to see Maulbertsch's frescoes in Hungary, the Czech Republic, Slovakia, and Austria complemented the show. Coach tours to palaces, churches, and libraries, accompanied by art historians, allowed the public to witness the lavish splendor of these frescoes.

There are numerous videos related to the Maulbertsch project, which are integrated into the 14-hour video essay Schwan mit Sternenstaub (camera and direction: Gerhard Fischer). Work on this video essay lasted for 10 years, and in late December 2022, the final edit for 36 chapters was completed. A website in progress, Schwan mit Sternenstaub, will trace the development of the film project. A theatrical premiere of the Schwan will take place in spring 2023.

The collector’s catalog of the Maulbertsch exhibition is out of print but can be found in any major library in Vienna. Refer to the publication Maurer, Kalk und Sand oder der Maler Franz Anton Maulbertsch (Masons, Lime, and Sand, or the Painter Franz Anton Maulbertsch): Materials on Life and Work 1724–1796, edited by Nora and Gerhard Fischer, Vienna 1996.

Fischer’s passion for sacred art continued: in November 2022 he staged an exhibition in the left side aisle of the Michaelerkirche featuring Maulbertsch’s painting Adoration of the Shepherds (1750). At the same time, in the cloister of the ground-floor east wing of the church, in the framing workshop of C. Bühlmayer, Gerhard Fischer displayed selected works on cotton and cardboard—large-format charcoal drawings, photographs, and photomontages.

Theme: The Bathers (Joy of Life).

Degas, Cézanne, Ingres, Bonnard, and Picasso painted bathing girls and women; Fischer paints bathing youths. He makes The Bathers visible in a lavish dimension of color, which his prolific output of 500 works also demonstrates: it is a search for nuances of sky and sea.

The paintings, drawings, photos, and photomontages shown on this website have been supplemented by works from the studio.

On the way through sunflower fields to the Piarist Church in Mikulov (Nikolsburg). The main dome’s ceiling fresco, painted by Maulbertsch in 1795, depicts the Triumph of the Holy Trinity.
Format: HDV, 1996
Camera: Gerhard Fischer

Schwan mit Sternenstaub, Chapter 19 Maulbertsch.
Format: Video Hi8, 2021
Camera, Direction: Gerhard Fischer
Editing: Озябшая Душa

Paintings, Drawings, Photos, Photomontages

Documentation Photography of the Works: Rudolf Strobl, Felix Frühauf, Yazan Majani

Exhibition
November 17 to 20, 2022

The exhibition with works by Gerhard Fischer took place in the cloister of the ground-floor east wing of St. Michael’s Church, where the framing workshop of C. Bühlmayer is located.

The scent of wood, the gilded, delicate chandeliers, and the contrast of colors and shapes in large and small frames evoke Venetian craftsmanship. There stands the milky-white mirror, surrounded by an infinitely white silence, reminiscent of the vast snowfields at the poles.
Workshop k. u. k. Court Gilder C. Bühlmayer
Photo: © Victor Liska

Works by Maulbertsch

The image motif Adoration of the Child by the Shepherds originated in 14th-century Italy. Sometimes the number of figures varied between two or more people. They hurry from the fields, kneel before the Christ Child, and present him with gifts. According to legend, the shepherds brought the Child eggs, milk, and a lamb with its legs bound.

In Maulbertsch’s painting, we see Mary on a bed of straw with the coarse linen-wrapped Christ Child in her lap. Joseph, the carpenter, the donkey and ox, and Mary with the newborn appear suddenly motionless among the gift-bearing shepherds.

In the parish church of Sümeg (western Hungary), Maulbertsch unfolds a fan of glowing and shading colors, of floating color haze and delicate pastel tones, previously unheard of in Austrian painting, and seeming like an outflow of subjective religious experience.
Günter Metken

Works by Fischer

Vienna in the year 1910 was a magnificent melting pot. In just 60 years, the population grew from 500,000 to two million. Art, technology, and politics were pulsating. Wealth was breathtaking. The privileged class of the bourgeoisie was made for a life of luxury, refinement, and decadence. “Oh, how gloriously they lived!” wrote Josef Roth in The Spider’s Web.

Meanwhile, the proletariat lived in its own culture, defined not by abundance but by lack. Two cultures, each standing on its own hemisphere: the bourgeois and the proletarian, opposites of the turn of the century. The plebeians, broken, betrayed, and derelict, existed in a world beset by drunkenness, hunger, and bloody coughing.

Attractive youths from the upper classes, hovering between childhood and adulthood, became the sought-after subject of fin-de-siècle studio photography.

Years of flipping through photographs at the Vienna flea market led to an extensive collection of visiting card and cabinet-size photos, taken in Viennese studios between 1875 and 1910, which document the variety of gestural and facial expressions of the adolescent sons of the bourgeoisie. Gerhard Fischer compiled this photo assemblage in 1996.

Whispers of light in turn-of-the-century photo papers, the slow pulse of sepia to white, blue to pink.

The momentary quality in the sitter’s pose, the weightless gaze, and the quietly present objects of the era catch the eye.

The framing of the visiting card and cabinet-size photos was handcrafted from woods of Venice, Florence, Rome, and Naples. Framing by Michael Haider (C. Bühlmayer).

Exhibition Design Maulbertsch – Fischer: Thomas Kierlinger

Location: k. u. k. Hof Vergolder C. Bühlmayer Workshop. Cloister of the Ground-Floor East Wing of St. Michael’s Church.

Curator: Choon Huat Koay

Photo Documentation: Manuel Carreon Lopez


Camera: Kevin Ferdinandus, Video duration 46:18

Speeches at the Vernissage on November 17, 2022

The speakers

Father Erhard

Univ. Prof. Dr. August Ruhs

Priv. Dozent Dr. Walter Seitter

Konstantin Bühlmayer

Gerhard Fischer

Location: Summer Refectory of the Barnabite Religious Community (today the Salvatorians).

Covering an area of 140 m2, the walls of the Summer Refectory are lined with religious historical paintings on canvas, following the Venetian style of the 15th century. These paintings, each about 3 meters tall, line up over a length of around 30 meters.

The proximity of St. Michael’s Parish Church to the Hofburg and its confraternities explains the uniquely Viennese pictorial design by court painter Peter Strudel, himself a member of the Spanish Corpus Christi Brotherhood. The refectory, as a place of shared meals, is characterized by the largest painting in the room, The Miracle of the Loaves and Fishes: at its center sits Christ before a rocky hillside, surrounded by apostles, distributing bread and fish.

The church patronage of St. Michael practically demands a depiction of the Archangel Michael. One finds him in the painting of the winged archangel with breastplate, brandishing his flaming sword against the fallen angels. Also, playful cherubs with passages from the Holy Scriptures adorn the ceiling, alluding to the function of a refectory: work and dining. The Barnabite Order is likewise addressed by the central fresco, which presents St. Paul, its patron, in a gloriole.

Gerda Kraker, Alfred Kraker

Gerhard Fischer

MAULBERTSCH
FISCHER

En regardant en arrière, on se souvient d’un hommage à Maulbertsch qui a eu lieu dans le hall théologique de l’ancienne Université (aujourd’hui l’Académie des Sciences) à l’été 1996. Sous la fresque au plafond de Franz Anton Maulbertsch, représentant le Baptême du Christ (1766/67), le sol du hall était recouvert – tel une couche de couleur – d’un champ de pigments (650 x 238 cm) organisé par Nikolaus Lang. Les pigments – oxyde de fer-manganèse, malachite et azurite – étaient empilés sur des feuilles de papier et correspondaient à la gamme de couleurs utilisée dans la fresque du Baptême du Christ.

Maulbertsch : la musique des couleurs, la rotation de la physique spatiale, tout semble libéré de la gravité. De tout cela émerge quelque chose qui ressemble au rêve de voler dans une atmosphère riche en sensations et joyeuse, possédant également des qualités très tactiles, presque physiques : de nombreuses mains s’entrelacent. Ces interconnexions sont évoquées dans les carnets de travail du peintre. Les trois quarts de la composition sont exclusivement consacrés à la représentation de l’éther, et des anges – les êtres favoris de Maulbertsch – peuplent le ciel. Pour lui, peindre revient à plonger, un voyage inévitable vers le bas dans un silence blanc. La fresque du Baptême du Christ est elle aussi saturée de blanc.

En complément de l’installation de pigments, le Self-Portrait de l’artiste (vers 1767) ainsi qu’une sélection de lettres et de contrats de Maulbertsch ont été exposés. Ils témoignent du travail avec les maçons, du calcaire, du sable et des outils de la fresque.

Le manuel Der Mahler und Baumeister Perspectiv (La perspective du peintre et du constructeur), rédigé en 1719 par Andrea Pozzo – qui vécut et travailla à Vienne en tant que peintre de fresques de 1703 à 1709 – fut exposé à proximité du self‑portrait de Maulbertsch. Dans l’ouvrage fondamental de Pozzo sur la fresque perspective du XVIIIe siècle, une gravure se démarque : elle montre un peintre muni de contenants de couleur et un maçon appliquant une fine couche de plâtre. Autour de l’échafaudage se rassemblent d’énormes outils de maçonnerie : marteau, truelle pointue, pelle à mortier et bassine d’eau. Une petite planche et une taloche servent à portionner et répartir le mortier – reflet de l’énergie que l’architecture occidentale puise dans la chaleur de l’été, dans le calcaire, le sable et la truelle du maçon.

L’exposition Maulbertsch a entamé son parcours elliptique à l’Académie des Sciences de l’ancienne Université. Au cœur de Vienne, un hall de fresques encore inexploré, présentant le Baptême du Christ, attendait d’être découvert par le public. Une excursion dans les terres de l’ancienne Monarchie du Danube, pour admirer les fresques de Maulbertsch en Hongrie, en République tchèque, en Slovaquie et en Autriche, a complété l’exposition. Des visites en autocar vers des palais, des églises et des bibliothèques, guidées par des historiens de l’art, ont permis au public d’admirer la somptueuse splendeur de ces fresques.

De nombreuses vidéos liées au projet Maulbertsch sont intégrées dans le vidéo‑essai de 14 heures Schwan mit Sternenstaub (caméra et réalisation : Gerhard Fischer). Le travail sur ce vidéo‑essai a duré 10 ans et, fin décembre 2022, le montage final des 36 chapitres a été achevé. Un site web en cours de réalisation, Schwan mit Sternenstaub, retracera l’évolution du projet cinématographique. Une première théâtrale du Schwan aura lieu au printemps 2023.

Le catalogue de collectionneur de l’exposition Maulbertsch est épuisé, mais se trouve dans toutes les grandes bibliothèques de Vienne – voir la publication Maurer, Kalk und Sand oder der Maler Franz Anton Maulbertsch : Matières sur la vie et l’œuvre 1724–1796, édité par Nora et Gerhard Fischer, Vienne 1996.

La passion de Fischer pour l’art sacré s’est poursuivie : en novembre 2022, il a organisé une exposition dans l’allée latérale gauche de la Michaelerkirche, présentant le tableau Adoration des Bergers (1750) de Maulbertsch. Parallèlement, dans le cloître de l’aile est du rez‑de‑chaussée de l’église, dans l’atelier de cadrage de C. Bühlmayer, Gerhard Fischer a exposé une sélection d’œuvres sur coton et carton – grands dessins au fusain, photographies et photomontages. Thème : Les Baigneurs (Joie de vivre).

Degas, Cézanne, Ingres, Bonnard et Picasso ont peint des jeunes filles et des femmes en train de se baigner ; Fischer peint des jeunes hommes en train de se baigner. Il rend Les Baigneurs visibles dans une dimension de couleur somptueuse – comme le démontre également sa production prolifique de 500 œuvres –, c’est une quête de nuances du ciel et de la mer.

Les peintures, dessins, photographies et photomontages présentés sur ce site sont complétés par des œuvres issues de l’atelier.

Sur le chemin à travers des champs de tournesols vers l’église des Piaristes à Mikulov (Nikolsburg). La fresque du dôme principal, peinte par Maulbertsch en 1795, représente le Triomphe de la Sainte Trinité.
Format : HDV, 1996
Caméra : Gerhard Fischer

Schwan mit Sternenstaub, Chapitre 19 Maulbertsch.
Format : Vidéo Hi8, 2021
Caméra, Réalisation : Gerhard Fischer
Montage : Озябшая Душa

Peintures, Dessins, Photographies, Photomontages

Photodocumentation des œuvres : Rudolf Strobl, Felix Frühauf, Yazan Majani

Exposition
du 17 au 20 novembre 2022

L’exposition des œuvres de Gerhard Fischer s’est tenue dans le cloître de l’aile est du rez‑de‑chaussée de l’église Saint‑Michel, où se trouve l’atelier de cadrage de C. Bühlmayer.

Le parfum du bois, les lustres délicatement dorés, et le contraste des couleurs et des formes dans des cadres grands et petits évoquent l’artisanat vénitien. On y trouve le miroir d’un blanc laiteux, entouré d’un silence infiniment blanc, rappelant les vastes champs de neige aux pôles.
Atelier de dorure de cour k. u. k. C. Bühlmayer
Photo : © Victor Liska

Œuvres de Maulbertsch

Le motif de l’image Adoration de l’Enfant par les Bergers trouve son origine dans l’Italie du XIVe siècle. Parfois, le nombre de figures variait entre deux ou plusieurs personnes. Elles se précipitaient des champs, s’agenouillaient devant l’Enfant Jésus et lui offraient des présents. Selon la légende, les bergers apportaient à l’Enfant des œufs, du lait et un agneau aux pattes liées.

Dans le tableau de Maulbertsch, nous voyons Marie sur un lit de paille, tenant l’Enfant Jésus enveloppé dans un lin grossier dans son giron. Joseph, le charpentier, l’âne et le bœuf, ainsi que Marie avec le nouveau‑né apparaissent soudain immobiles parmi les bergers porteurs de dons.

Dans l’église paroissiale de Sümeg (ouest de la Hongrie), Maulbertsch déploie un éventail de couleurs éclatantes et ombragées, d’une brume colorée flottante et de tons pastels délicats, jusque-là inédits dans la peinture autrichienne, et semblant être l’expression d’une expérience religieuse subjective.
Günter Metken

Œuvres de Fischer

Vienne en 1910 était un magnifique creuset. En seulement 60 ans, la population est passée de 500 000 à deux millions. L’art, la technologie et la politique battaient leur plein. La richesse était à couper le souffle. La classe privilégiée de la bourgeoisie était destinée à une vie de luxe, de raffinement et de décadence. « Oh, comme ils vivaient magnifiquement ! » écrivait Josef Roth dans Le Toile d’Araignée.

Pendant ce temps, le prolétariat vivait dans sa propre culture, définie non pas par l’abondance mais par le manque. Deux cultures, chacune sur son propre hémisphère : la bourgeoisie et le prolétariat, opposées à l’aube du siècle. Les plébéiens, brisés, trahis et déchus, existaient dans un monde marqué par l’ivresse, la faim et une toux sanglante.

Des jeunes attrayants de la haute société, oscillant entre l’enfance et l’âge adulte, devinrent le sujet recherché de la photographie de studio de la fin du siècle.

Des années passées à feuilleter des photographies au marché aux puces viennois aboutirent à une vaste collection de photos au format carte de visite et cabinet, prises dans des studios de Vienne entre 1875 et 1910, documentant la diversité des expressions gestuelles et faciales des adolescents issus de la bourgeoisie. Gerhard Fischer a compilé ce recueil photographique en 1996.

Des chuchotements de lumière sur des papiers photo de la fin du siècle, le pouls lent du sépia au blanc, du bleu au rose.

La fugacité de la pose, le regard en apesanteur et les objets subtilement présents de l’époque attirent le regard.

Le cadrage des photos au format carte de visite et cabinet a été réalisé artisanalement à partir de bois de Venise, Florence, Rome et Naples. Cadre réalisé par Michael Haider (C. Bühlmayer).

Design d'exposition Maulbertsch – Fischer : Thomas Kierlinger

Lieu : Atelier de dorure de cour k. u. k. C. Bühlmayer. Cloître de l'aile est du rez‑de‑chaussée de l'église Saint‑Michel.

Curateur : Choon Huat Koay

Photodocumentation : Manuel Carreon Lopez


Caméra : Kevin Ferdinandus, Durée de la vidéo 46:18

Discours à la Vernissage du 17 novembre 2022

Les intervenants

Père Erhard

Univ. Prof. Dr. August Ruhs

Priv. Dozent Dr. Walter Seitter

Konstantin Bühlmayer

Gerhard Fischer

Lieu : Réfectoire d’été de la communauté religieuse Barnabite (aujourd’hui les Salvatoriens).

Occupant une superficie de 140 m2, les murs du Réfectoire d’été sont ornés de peintures historiques religieuses sur toile, dans le style vénitien du XVe siècle. Ces peintures, d’environ 3 mètres de hauteur chacune, s’étendent sur une longueur d’environ 30 mètres.

La proximité de l’église paroissiale Saint‑Michel avec le Hofburg et ses confréries explique la conception picturale résolument viennoise du peintre de cour Peter Strudel, lui-même membre de la confrérie espagnole du Corpus Christi. Le réfectoire, en tant que lieu de repas partagés, se distingue par la plus grande peinture de la salle, Le Miracle des pains et des poissons : en son centre, le Christ est représenté devant une colline rocheuse, entouré d’apôtres, distribuant pains et poissons.

Le patronage de l’église Saint‑Michel exige pratiquement une représentation de l’archange Michel. On le retrouve dans le tableau de l’archange ailé, armé d’une cuirasse, brandissant son épée enflammée contre les anges déchus. De plus, des chérubins espiègles agrémentés de passages des Écritures saintes ornent le plafond, faisant allusion à la fonction du réfectoire : le travail et le repas. L’Ordre des Barnabites est également évoqué par la fresque centrale, qui présente Saint Paul, son patron, dans une auréole.

Gerda Kraker, Alfred Kraker